Grußwort


Wir möchten Sie herzlich einladen zum 8. Internationalen Kongress über Theorie und Therapie von Persönlichkeitsstörungen. Das Motto unserer Tagung lautet: „Der optimierte Mensch – die Illusion der Perfektionierung“. Optimierung – dagegen wäre kaum etwas einzuwenden. Aber Illusionen möchte man sich nicht so gerne machen.

Optimierung des Menschen ist seit jeher eine Zielsetzung aller „Heilberufe“ im Sinne eines Versuchs, „das Beste aus dem Gegebenen zu machen“: durch Reparatur, Kompensation, Substitution, Aktivierung vorhandener Ressourcen – aber stets im Rahmen der vorgegebenen Struktur des Patienten mit seinen Möglichkeiten und unüberschreitbaten Begrenzungen.

Im zweiten Teil unseres Mottos klingt Skepsis an: „die Illusion der Perfektionierung“. Eine humane, therapeutisch orientierte Optimierung des Menschen wird inhuman, wenn sie Perfektion anstrebt. Das Menschlichste am Menschen ist seine Unvollkommenheit. Optimierung darf nicht als Maximierung von Fertigkeiten und Leistungen missverstanden werden. Das Titelbild unseres Programmhefts illustriert dieses Thema: Dass Ikarus überhaupt fliegen kann (was ja schon respektabel ist), genügt ihm nicht. Er will höher hinaus, missachtet  physikalische Grenzen und endet im Absturz.

Es wird verhängnisvoll, wenn sich zu viel an Perfektionsstreben in Medizin und Psychotherapie einschleicht. Diese Tendenz resultiert zum Teil aus der raschen Entwicklung therapeutischer Möglichkeiten; zugleich nehmen die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit des Menschen in Arbeitswelt und Bildungseinrichtungen extrem zu. Die Kehrseite kennen wir alle – es scheint, dass heute immer mehr Menschen im sich beschleunigenden Hamsterrad der globalisierten Märkte vorzeitig „die Puste“ ausgeht.

Den besten, weil menschlichsten Kommentar zum Thema „Perfektionierung“ gibt ein Schauspieler in der Rolle des Osgood Fielding am Schluss eines weltberühmten Films. Mit größter Gelassenheit erwidert er seiner vermeintlich weiblichen Angebeteten, die bzw. der ihm eben offenbart hat, dass er selbst ein Mann und keine Frau sei: „Well, nobody‘s perfect!“

Wie gewohnt, beginnt unsere Tagung am Freitagnachmittag mit Plenarvorträgen zu verschiedenen Aspekten der „Optimierung“. Die Vorträge am Samstagvormittag werden die Thematik vertiefen. Im Rahmen des geselligen Abends am Samstag sollten wir unsere Vorbehalte gegen Perfektionierung vorübergehend vergessen und erwarten, dass die „Braintertainers“ nicht nur optimal musizieren, sondern eine perfekte Performance hinlegen! In bewährter Tradition wird ein Vortrag von Otto Kernberg den Abschluss der Tagung am Sonntagnachmittag bilden.

Die Workshops sind wie immer ein wesentlicher Bestandteil des Kongresses. Vor allem den praktisch tätigen Kolleginnen und Kollegen aus allen Berufsgruppen soll hier Gelegenheit gegeben werden, ihre Kenntnisse im Bereich der Persönlichkeitsstörungen zu erweitern und zu vertiefen und sich mit neuen Behandlungsmethoden vertraut zu machen.

Wie auch in den letzten Jahren wird die Zertifizierung des Kongresses bei der Bayerischen Landesärztekammer beantragt, und wir rechnen mit einer angemessenen Zuteilung von CME-Punkten.

Mit dem achten „IKTTP“ hoffen wir, die Erfolgsgeschichte dieser nunmehr schon traditionellen Tagung fortsetzen zu können. Wie bisher möchten wir durch wissenschaftliche Plenarvorträge im Wechsel mit praxisorientierten Workshops Angehörige verschiedener Berufsgruppen, die sich mit Persönlichkeits- und anderen psychischen Störungen befassen, einander näher bringen und zu einem fruchtbaren Austausch inspirieren.


Bild: Oliver Raupach
Bild: Fotolia
Bild: Fotolia
Bild: Fotolia