26. April 2016

Interview mit Prof. Stephan Doering

Foto: MedUniWien/F.Matern

Wer kennt nicht die berühmten Filmcharaktere: Glenn Close als Alex Forrest in „Eine verhängnisvolle Affäre“ oder Blanche Dubois, gespielt von Vivian Leigh in „Endstation Sehnsucht“ – sie zeigen beispielhaft Menschen mit Persönlichkeitsstörungen. Mit den verschiedenen Therapiemöglichkeiten der schweren Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens befasst sich der 10. IKTTP.

Herr Prof. Stephan Doering (Medizinische Universität Wien) berichtet im Vorfeld über "Psychoanalystische Verfahren" und gibt einen Überblick über aktuelle Therapien.

"Bei der Entstehung von Persönlichkeitsstörungen spielen negative Beziehungserfahrungen in der Kindheit eine wesentliche Rolle und auch im späteren Leben der Betroffenen sind Beziehungsprobleme zentral. Daher dürfte gerade bei Patienten mit dieser Problematik ein psychoanalytisches Herangehen besonders geeignet sein", meint Prof. Stephan Doering, Leiter der Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien.

Traditionell hat die Psychoanalyse einen Schwerpunkt auf die Behandlung von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen gelegt - mit der therapeutischen Beziehung als zentralen Wirkfaktor. In den letzten gut 25 Jahren wurden mehrere störungsspezifische Ansätze entwickelt und zum Teil auch schon empirisch für die Behandlung von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen validiert.

Empirische Befunde haben gezeigt, dass die Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) als ein psychoanalytisches Verfahren das Beziehungserleben und -verhalten von Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung positiv verändern können.
Andere psychoanalytische Therapien, wie zum Beispiel die Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT), die Strukturbezogene Psychotherapie Gerd Rudolfs oder die Psychoanalytisch-interaktionelle Methode (PiM) fokussieren auch Beziehungsverhalten, dies jedoch im Unterschied zur TFP mehr im alltäglichen Leben der Patienten und weniger direkt in der therapeutischen Beziehung.

Psychoanalytische Verfahren bieten sich besonders für Patienten mit Störungen des Beziehungsverhaltens an, wobei hier – wie auch bei allen anderen Verfahren – davon auszugehen ist, dass Veränderungen der Persönlichkeit nötig sind, um Beziehungsverhalten nachhaltig zu beeinflussen. Diese Prozesse nehmen üblicherweise mehrere Jahre in Anspruch.