Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Ludwig-Maximilians Universität München
Nußbaumstr. 7 | 80336 München

Thema
Das Unbekannte –
Persönlichkeit, Destruktivität und Kreativität in Zeiten der Bedrohung

Programm
Weitere Informationen zum Programm finden Sie demnächst hier HIER.

Grußwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit dem Unbewussten beschäftigen wir uns seit Beginn der Entwicklung psychotherapeutischer Verfahren. Wir versuchen, unseren Patientinnen und Patienten einen Einblick in ihre Biografie zu ermöglichen, um dysfunktionale Muster in ihrem Handeln und Denken bewusst zu machen, die für sie selbst und ihre Umwelt belastend und schädlich sind. Damit blicken wir in die biografische Vergangenheit.

Das Unbekannte hingegen wird gerne in der Zukunft, im Außen (in der Fremde) und im Anderen verortet, bleibt im Dunkeln und lässt lediglich Vermutungen, Hypothesen, Spekulationen und Projektionen zu. Diese können uns in der Gegenwart allerdings mit ähnlicher Macht wie die des Unbewussten beeinflussen.

In Zeiten der Bedrohung, mit der sich unser Kongress zentral beschäftigt, erleben wir dies gerade hautnah. Die Coronakrise birgt nach wie vor viele Unbekannte im Hinblick auf ihre epidemiologischen, medizinischen, sozialen und psychischen Folgen. Der Klimawandel bedroht uns wegen seiner schleichenden Entwicklung weniger alltäglich und seine Bedrohung wird auch nicht durch symbolische Zeichen wie Masken und veränderte Begrüßungszeremonien unablässig spürbar, schlägt sich aber immerhin kognitiv im Bewusstsein verantwortungsbewusster Zeitgenossen nieder. Glücklicherweise wird die Bedrohung durch die menschengemachte Erderwärmung zumindest von einem großen Teil der heranwachsenden Generationen intensiv und kontinuierlich aktualisiert.

Die Reaktion auf mögliche Gefahren des Unbekannten besteht von jeher in der evolutionär geformten Antwort im Sinne des „Fight or Flight“: regressiver phobischer Rückzug vor angstbesetzten Vorstellungen und Fantasien und entsprechende kontraphobische Rituale, auf der anderen Seite eine aggressive Fokussierung auf die verleugneten Wahrzeichen der Bedrohung und deren Botschafter. Im Rahmen dieser Abwehr entstehen pseudokausale Erklärungsnarrative, in denen die Externalisierung der eigenen Destruktivität in Gestalt von Andersdenkenden und vermeintlichen oder phantasierten Angehörigen differenter (Sub)kulturen ausgemacht und bekämpft werden. So ist der Antisemitismus eine über Jahrhunderte tradierte, gesellschaftsinhärente Ausprägung dieser Dynamik. Mit solchen brisanten aktuellen, aber auch historischen Mechanismen und Entwicklungen beschäftigt sich der 12. Internationale Kongress zu Theorie und Therapie von Persönlichkeitsstörungen in Vorträgen und Workshops in erster Linie.
Im Gegensatz zur dunklen Seite des Unbekannten steht aber auch dessen Faszination: unbekannte Phänomene, Orte und Prozesse haben schon immer Neugier und Forschergeist geweckt, die zur Quelle von kreativen Entwicklungen und Erklärungen wurden und damit wissenschaftliche, kulturelle und technische Fortschritte gefördert haben. Auch dieser Aspekt lässt sich gut im gegenwärtigen Bedrohungsszenario beobachten. Noch nie hat es – von Ausnahmen chauvinistischer und protektionistischer Haltungen abgesehen – so lebhafte und intensive, international korrespondierende Forschungsaktivitäten und Bemühungen mit gemeinsamen ökonomische Copingstrategien gegeben wie derzeit, was zumindest die Hoffnung auf eine solidarischere humanitäre Entwicklung der Weltgemeinschaft birgt. Und in den sozialen Medien kursieren, neben den Elaboraten selbst ernannter Verschwörungstheoretiker als Schattenseite der Kreativität, zum Teil hinreißend komische Clips, Kommentare, Cartoons und Persiflagen zur gegenwärtigen Bedrohungslage, was die Bedeutung von Humor, Satire und Ironie als so genannte „reife Abwehrmechanismen“ von Angst und Konfliktspannung verdeutlicht. Auch dieser Aspekt einer kreativ-progressiven Reaktion auf eine Bedrohung kommt im Programm der Tagung nicht zu kurz.

Wir freuen uns auf ein fesselndes und aufschlussreiches Tagungsprogramm, kompetente Referentinnen und Referenten und natürlich auf Ihre Teilnahme an dieser Tagung, die längst zu einem festen Bestandteil der internationalen Kongressszene geworden ist. Wie seit über zwanzig Jahren findet sie wieder an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität in den Räumen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Nussbaumstraße statt.

Wir heißen Sie herzlich willkommen in München und beim 12. Internationalen Kongress zur Therapie und Theorie von Persönlichkeitsstörungen.

Ihr Organisationskomitee

Herzliche Grüße

Ihr Organisationskomitee des IKTTP

PS: Tragen Sie sich hier in unseren Kongress-Newsletter ein und verpassen Sie keine Informationen zu Referenten, Themen und Workshops