Workshops Sonntag, 27.6.2021

Teil 1: 11:00-12:30 Uhr | Teil 2: 14:00-15:30 Uhr

Referentinnen: Susanne Hörz-Sagstetter, Leonie Kampe
Dauer: 180 min

Abstrakt:
Verletzlichkeit und Destruktivität liegen bei Patienten mit schweren Persönlichkeiten nah beieinander und äußern sich in leichter Kränkbarkeit, emotionaler Instabilität und Impulsivität sowie chronischer Suizidalität und gravierenden Beziehungsstörungen. In der Betrachtung dieses „Spießrutenlaufes“ fokussiert das Seminar aus psychodynamischer Perspektive auf die zugrundeliegenden strukturellen Defizite einer desintegrierten Identität und den spaltungsbasierten Verarbeitungsmechanismen, die anhand von Patientenvideos eindrücklich veranschaulicht werden. Eine theoretische und diagnostische Einordnung sowie therapeutische Perspektiven werden diskutiert.

Kurzvita Susanne Hörz-Sagstetter:
Psychologische Psychotherapeutin der tiefenpsychologisch fundierten und analytischen Psychotherapie sowie Psychoanalytikerin (DGPT) und zertifizierte Therapeutin, Trainerin und Supervisorin der Übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP). Seit 2013 Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie (Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB). Studium der Psychologie an der Universität Halle-Wittenberg, Promotion zur psychoanalytischen Strukturdiagnostik bei O.F. Kernberg/J.F. Clarkin (USA) und W. Mertens (Ludwig-Maximilians-Universität LMU München), Habilitation am Department Psychologie der LMU München. Klinische und wissenschaftliche Schwerpunkte: Diagnostik und Therapie von Persönlichkeitsstörungen, Psychodynamische Diagnostik, Psychotherapieprozessforschung.

Kurzvita Leonie Kampe:
Psychologische Psychotherapeutin (Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie). Leitung des Kompetenzzentrums für Persönlichkeits- und Bindungsstörungen, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Klinikum Itzehoe. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Psychologische Hochschule Berlin. Forschungsschwerpunkte: Bindung, Abwehr und Persönlichkeit. Lehrbeauftragte der Freien Universität Berlin, Psychologischen Hochschule Berlin und Berliner Akademie für Psychotherapie. 2018/19 Postdoc Fellowship am Personality Disorders Institute, New York (O.F. Kernberg/J.F. Clarkin); Teilnahme am Adult Attachment Institute, University of Berkeley California (M. Main/E. Hesse). 2018 Promotion zur dimensionalen Persönlichkeitsdiagnostik, Universität Kassel (Prof. Dr. C. Benecke/Prof. Dr. S. Hörz-Sagstetter). Studium der Psychologie an den Universitäten Göttingen und Hamburg

Referent: Michael Rentrop
Dauer: 180 min

Kurz-Vita:
Dr. med Michael Rentrop hat, nach einer Krankenpflegeausbildung an einer großen psychiatrischen Versorgungsklinik, Medizin an der TU München studiert. Im Anschluss Facharztausbildung zum Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie ebenfalls an der TU München, Klinikum rechts der Isar. Eben dort Oberarzt und geschäftsführender Oberarzt, überwiegend Leiter der psychiatrischen Ambulanz und des Konsiliardienstes. Seit 2019 ist Herr Dr. Rentrop Chefarzt des Fachbereiches Klinische Sozialpsychiatrie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg / Inn. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Behandlung von Menschen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis und schwer ausgeprägten Persönlichkeitsstörungen. Herr Dr. Rentrop ist Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Fachgesellschaften (DGPPN, Deutscher Dachverband DBT, DGPE, SPR, TFP Institut München, ISTFP) sowie als Dozent und Supervisor tätig. Darüber hinaus ist er Autor verschiedener wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Autor / Herausgeber eines psychiatrischen Fachmanuals und verschiedener Lehrbücher.

Referentin: Dorothee Bernheim
Dauer: 180 min

Abstrakt:
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“: Wie wir es gewohnt sind, „Zauber“ in dessen „hilfreichen“ und dessen „schädlichen“ Anteil zu kategorisieren, so birgt auch die erste Begegnung zwischen Patient*in und Therapeut*in bzw. dem therapeutischen Team sowohl Raum für kreatives Wachstum, als auch Raum für wechselseitige Destruktivität. Der erste Teil des Workshops widmet sich zunächst einem Erklärungsmodell für dysfunktionales bzw. destruktives Verhalten aus Sicht der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), wobei bindungstheoretische Aspekte Berücksichtigung finden. Im zweiten Teil werden unter Berücksichtigung von Fallbeispielen ausgewählte „therapeutische Fallen“ vorgestellt, wie sie auch in der DBT zu finden sind und gleichzeitig Lösungsmöglichkeiten diskutiert und aufgezeigt.

Kurzvita:
Dr. Dorothee Bernheim war als Psychologische Psychotherapeutin (VT), Supervisorin und DBT-Therapeutin und Trainerin (DDBT) langjährig stationär, teilstationär und ambulant an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Greifswald tätig und arbeitet seit sieben Jahren als Ambulanzleiterin und aktuell als Geschäftsleiterin am Ausbildungsinstitut für Verhaltenstherapie (AZVT) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm. Darüber hinaus ist sie niedergelassen in eigener psychotherapeutischer Praxis in Ulm tätig. Forschungsschwerpunkte sind unter – enger Kooperation mit Frau Prof. Dr. A. Buchheim von der Universität Innsbruck – die Berücksichtigung neurobiologischer und bindungsbezogener Aspekte sowie die Entwicklung der Selbstlenkungsfähigkeit in der Dialektisch Behavioralen Therapie.

Referent: Eckhard Roediger
Dauer: 180 min

Abstrakt:
Neben der Schematherapie stellt die Acceptance und Commitment-Therapie (ACT) eine der wesentlichen Therapien der sog. „3. Welle“ dar. Können sich diese beiden Ansätze befruchten? In diesem Vortrag werden zunächst die Grundlagen der ACT kompakt vorgestellt. Kurz gesagt beschreiben die sechs ACT-Prozesse die Aufgaben des Erwachsenenmodus. Im 2. Teil wird gezeigt, wie die ACT-Prozesse im Kontext einer Schematherapie eingesetzt werden können, um den Erwachsenenmodus zu stärken. Der letzte Schritt versucht die Prozesse und Mikroprozesse zu definieren, die der begrenzt nachbeelternden Beziehungsgestaltung und dem speziellen Einsatz der erlebnisaktivierenden Techniken zugrunde liegen. Die kurze Demonstration eines Stühledialoges und kleine praktische Übungen soll das zum Erleben bringen.

Literatur:
Valente, M. & Roediger, E. (2020). Schematherapie. Psychotherapie kompakt. Stuttgart: Kohlhammer.
Roediger, E., Stevens, B., & Brockman, R. (2018). Contextual Schema Therapy: An Integrative Approach to Personality Disorders, Emotional Dysregulation, and Interpersonal Functioning. Oakland, CA: New Harbinger.

Kurzvita:
Dr. med. Eckhard Roediger, geb. 1959, Neurologe, Psychiater und Arzt für Psychotherapeutische Medizin, Ausbildungen in tiefenpsychologischer und Verhaltenstherapie. Leiter des Instituts für Schematherapie-Frankfurt (IST-F), Past-Präsident und Ehrenmitglied der Internationalen Schematherapiegesellschaft (ISST).

Referenten: Götz Berberich, Wolfgang Schwarzkopf
Dauer:  90 min

Abstrakt:
In den letzten Jahren zeichnet sich ein Wandel des klinischen Bilds von Menschen mit selbstunsicherer Persönlichkeitsstörung ab: vom lebenslang zurückgezogenen ängstlichen Einzelgänger zum jungen Erwachsenen, der  – durchaus medienerfahren – nicht zu einer reifen Kommunikation mit der Umwelt findet und sich der beständig nötigen Selbstaktualisierung und –darstellung in einer globalisierten Welt entzieht. Klinische Implikationen werden im Workshop diskutiert und unser kognitiv-behavioraler Therapieansatz vorgestellt.

Kurzvita Götz Berberich:
Facharzt für Innere sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytiker, Verhaltenstherapeut und Psychoonkologe.

Seit 2016 Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Windach, Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München, Leiter der Privatambulanz.

Lehrauftrag für Psychosomatische Medizin an der LMU München, Dozent, Supervisor und Lehrtherapeut.

Abeitsschwerpunkte: Persönlichkeitsstörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, Psychoonkologie, Grundlagenforschung im Bereich psychischer Störungen.

Veröffentlichungen u.a.:
Mitherausgeber der Zeitschrift PTT – Persönlichkeitsstörungen, Theorie und Therapie, Schattauer-Verlag

Berberich G (2019): Konzepte der vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung von Millon bis ICD-11. Kriterienvielfalt und therapeutische Implikationen. Persönlichkeitsstörungen 23: 164-174.

Berberich G (2019): Die Diagnose der Persönlichkeitsstörung nach ICD-11. Ärztliche Psychotherapie 14: 41-45

Berberich et al. (Hg.) 2018: Persönlichkeitsstörungen. Update zu Theorie und Therapie. Schattauer-Verlag.

Kurzvita Wolfgang Schwarzkopf:
Dipl.-Theol., M.Sc., Psychologischer Psychotherapeut (VT Erwachsene, Einzel, Gruppen); langjährig leitender Psychologe Klinik Windach; seit Juli 2020 eigener Kassensitz in Neumarkt i.d.Opf.; Dozent und Supervisor; Mitglied des Kuratoriums der Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. (DGZ).

Referentin: Isabelle Lang-Rollin
Dauer: 180 min

Abstract:

Die ordnende Macht der Schuld

Funktion und Behandlung von pathologischen Schuldkonstrukten
Traumatische Ereignisse, aber auch globale Bedrohungen, wie die Klimakrise oder die COVID-19 Pandemie können durch Unvorhersehbarkeit, Ungerechtigkeit oder hoher Komplexität unser Weltbild ins Wanken bringen, zu Hilflosigkeitserleben und Orientierungslosigkeit, oder auch zu Wut oder Trauer führen. Um dieser Gefühle ‚Herr zu werden‘ und um den Erhalt eines geordneten Weltbildes zu sichern, können Übernahme oder Zuweisung von Schuld dienen, was allerdings mit erheblichem destruktiven Potential einhergeht. In dem Workshop werden im Hauptteil die z.B. bei posttraumatischen Belastungsstörungen sehr häufigen internalen Schuldkonstrukte sowie deren Funktion, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten anhand von konkreten Beispielen erarbeitet. Im Anschluss stehen pathologische Schuldzuweisungen nach außen im Fokus, wie sie bei dem Konzept der posttraumatischen Verbitterungsstörung oder im Rahmen der heutzutage wieder vermehrt aufflackernden Verschwörungstheorien beobachtbar sind. Möglichkeiten, diesen in der Therapie (und im Alltag) zu begegnen, werden aus verschiedenen Ansätzen heraus vorgestellt.

Kurzvita:
Fr. Dr. Lang-Rollin leitet seit letztem Jahr als Oberärztin die Psychosomatische Fachabteilung des städtischen Klinikums Braunschweig. Facharztausbildung zur FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie am MPI für Psychiatrie in München. Danach FÄ für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Psychosomatischen Klinik Windach, dort zuletzt Tätigkeit als Oberärztin und leitende Oberärztin mit u.a. mehrjähriger Leitung der Station mit dem Schwerpunkt posttraumatische Belastungsstörungen. Anerkannte Supervisorin. Multiple Dozententätigkeiten u.a. am VFKV und an der LMU München.

Referentin: Manuela Gander
Dauer: 180 min

Abstrakt:
Unverarbeitete Bindungsmuster und frühkindliche Traumata gelten als wichtige Risikofaktoren für die Entstehung und den Verlauf von Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen. Dennoch gehört der jugendpsychiatrische Bereich bislang noch zu den wenig untersuchten Gebieten. Im ersten Teil dieses Workshops präsentiere ich unsere aktuellsten Ergebnisse zu bindungsspezifischen Charakteristika und Persönlichkeitsstörungen in Hinblick auf Bindungstraumata bei Jugendlichen. Erstmalig zeigen Daten aus einer unserer bildgebenden Studien bei Anorexia Nervosa, dass sich eine vorhandene Persönlichkeitspathologie sowie ein ungelöstes Bindungsmuster bei Jugendlichen auch in bestimmten Veränderungen von Gehirnarealen nach der Behandlung abzeichnen. Im zweiten Teil stelle ich anhand von Fallbeispielen aus der Praxis eine Auswahl an bindungsbasierten Interventionstechniken vor, welche eine differenzierte Analyse von bindungsbezogenen Traumata erlauben und somit zur Aufarbeitung dieser in der Psychotherapie bei Jugendlichen beitragen. Diese Vorgehensweise könnte vielversprechend für die Behandlung von jungen Patientinnen und Patienten mit Persönlichkeitsstörungen sein, da gerade diese die Psychotherapie häufiger abbrechen.

Kurzvita:
Manuela Gander ist klinische Psychologin an der Kinder und Jugendpsychiatrie in Hall in Tirol und lehrt als Privatdozentin an der Universität Innsbruck im Fachbereich klinische und Entwicklungspsychologie. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit widmet sie sich insbesondere der Weiterentwicklung diagnostischer und interventionsbasierter Verfahren für das kinder- und jugendpsychiatrische Setting unter Berücksichtigung bindungsbezogener Aspekte. Ihre Forschungsarbeiten konzentrieren sich vor allem auf die Relevanz von Bindungstraumata als Risiko- und Schutzfaktoren für die Entstehung, Entwicklung und den Verlauf von Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen und Depression bei Kindern und Jugendlichen. Durch ihre Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verfügt sie über eine mehrjährige klinische Erfahrung in der stationären und ambulanten Krankenversorgung mit jungen Menschen und deren Angehörigen.

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